Ein Giro auf vollen Touren

Am Abend vor dem Giro hier nun ein Gespräch mit André Greipel, dem deutschen Weltklasse-Sprinter des Teams Lotto-Soudal, der zu vielen Themen des Radsports umfassend Auskunft gibt und uns ein paar Details über seine Karriere verrät – natürlich auch über seine Beziehung zum Sattel.

 

Voll in Form? Ziele dieses Rennens?

Ich starte an diesem Rennen nach einer kurzen Erholungspause im Anschluss zu den Klassikern – und ja, ich würde sagen, dass ich recht gut in Form bin. Hauptziele sind natürlich die Etappen in der Ebene, die wie immer einen großen Teamgeist voraussetzen. Unsere hochkarätigen Mitstreiter spielen dabei in erster Linie mit, sodass ich zufrieden wäre, wenn ich zumindest einen Etappensieg verzeichnen könnte.

 

Deine 3 Favoriten in der Gesamtwertung?

Drei Namen, die allen klar sind: Quintana, Kruijswijk und natürlich Nibali.

 

Welcher deiner über 130 Siege hat dich am meisten begeistert?

Zweifelsohne der erste Etappensieg an der Tour de France. Dies war ein unglaubliches Erlebnis, das jeder Radsportler mindestens einmal in seiner Karriere erleben möchte.

 

Die schmerzhafteste Niederlage?

Der Sprintsieg von Sagan an der Weltmeisterschaft 2016 in Doha, Katar.

Eine verpasste Gelegenheit. Ich bedauere das sehr.

 

Was bedeutet es, im Radsport den zweiten Platz zu erreichen?

In jedem Sport wäre das ein gutes Ergebnis. Einen Sprint um nur wenige Zentimeter, ja sogar Millimeter zu verlieren, tut nach einer 200 km langen Strapaze jedoch einfach nur weh!

Zum Glück ergibt sich vor allem in Etappenrennen sehr schnell die Möglichkeit, die Sache wieder wettzumachen.

 

Was ist die wichtigste Eigenschaft eines Sprinters?

Ich würde sagen, dass mehr als die Leistung wichtig ist, den perfekten Moment zu finden, um sich einzureihen und die richtige Trasse zu wählen.

 

Deine Höchstgeschwindigkeit aller Zeiten?

Im Sprint 81 km/h, im Gefälle habe ich auch schon 116 km/h erreicht.

 

Der stärkste Champion, den du jemals kennengelernt hast?

Ich möchte mich hier nicht nur auf den Radsport begrenzen und sage daher Wladimir Klitschko, ukrainischer Boxer und ehemaliger Weltmeister im Schwergewicht in den drei größten Verbänden im Profiboxen.

 

Welche Merkmale muss dein Idealsattel besitzen?

Jeder Fahrer hat diesbezüglich eine eigene Meinung. Für mich zählt der Komfort jedenfalls mehr als das Gewicht, da der Sattel und die Schuhe die einzigen Kontaktpunkte zwischen dem Fahrer und dem Fahrrad sind. Der Sattel muss daher einfach bequem sein, ob bei Rennen oder im Training, was unter anderem auch hilft, sich auf die Leistung zu konzentrieren.

 

Wechselst du das Modell auf der Grundlage der Strecke oder eines Rennens?
Normalerweise wähle ich den Sattel, der mir das beste „Feeling“ vermittelt und verwende ihn dann für alle Rennen und Strecken. Ausnahme ist das Zeitfahren, denn hier verwende ich ein spezifisches Modell.

 

Welches Modell verwendest du derzeit?

La Turbomatic Gel Flow von Selle Italia. Ein sehr bequemer Sattel, sowohl in puncto Polsterung als auch was die zentrale Aussparung betrifft, die ihn in Richtung Spitze flexibler macht.

Wie viel Freizeit hat ein Profi-Radfahrer?

In der ersten Saisonhälfte wirklich recht wenig, da es viele geballte Termine gibt. Nimmt man an Etappenrennen teil, ist man zudem mehrere Wochen in Folge unterwegs.

Ab der zweiten Saisonhälfte, normalerweise nach der Tour de France, bleiben noch ein paar Wochenenden für die Familie übrig.

 

Was machst du gerne, wenn du gerade nicht auf dem Sattel bist?

Running und Fitness sind angenehme Sportarten, die sich auch zum Training eignen, was anderer Sportarten betrifft, schaue ich gerne Fußball.

 

Was würdest du einem jungen Menschen sagen, der in deine Fußstapfen treten möchte?

Ich würde ihm sagen, er soll das Fahrrad links liegen lassen und Fußballer werden … Besser Fußballer als Radsportler … Quatsch! Jeder soll das machen, was er am meisten liebt.

 

 

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