Bericht: Nove Colli – Selle Italia 2017

47. Ausgabe des ältesten Granfondo Italiens. Ein wahres Fest für Radsport-Fans aus aller Welt. Für uns ist es aber auch eine Gelegenheit, den Langstrecken-Sattel Novus SuperFlow Endurance von Selle Italia zu testen.

Sonntag, 21. Mai 2017 – Der Wecker schrillt um 4.30 Uhr, es regnet. An diesem Tag ist eine Strecke von 200 km angesagt. Hier kommt nur noch ein einziger Gedanke hoch: Stell dich krank und schlaf einfach weiter! Dies alles dauert aber nur einen Moment, denn bald schält sich der wahre Grund heraus, weshalb du hier in Cesenatico bist, 3 Autostunden von Mailand entfernt. Du machst dich also auf die Socken.

Der wahre Grund? Die Teilnahme am Königsrennen des Granfondo – dem Ältesten. Das Rennen, an dem alle Radsport-Fans mindestens einmal in ihrem Leben mitfahren möchten.

Vor allem für Leute wie wir, die keine Leistungssportler sind, ist das Nove Colli – Selle Italia ein wahres Fahrradfest, das in vollen Zügen genossen werden will: 12.000 Teilnehmer aus 48 Ländern und eine kleine Stadt, die zwei Tage lang von einer Horde adrenalinreicher Radfahrer „beschlagnahmt“ wird. Biker, die es kaum erwarten können und auf den langen Alleen auf und ab gehen … Eine Augenweide gleichermaßen wie ein Fest der Sinne.

 

Die Strecken

Altimetria percorso 200 km

Das Rennen bietet zwei Strecken mit einer Länge von jeweils 130 und 200 km an. Wir wählen die Erste. Man kann im Verlauf des Rennens ja immer noch die Meinung ändern. Die „kurze“ Strecke sieht einen Höhenunterschied von 1.870 Metern vor – 4 anspruchsvolle Steigungen und ein maximales Gefälle von 18 %.

Die lange Strecke verdoppelt den Höhenunterschied mit zusätzlichen 5 Hügeln, also 9 Hügel insgesamt.

Beide Strecken schenken, wie der Organisator bekräftigt, unvergessliche Emotionen in einer Landschaftsvariation, die vom Meer bis zu den Hügeln reicht, fordern aber auch Schweiß und Strapazen.

 

Der Sattel

Heute machen wir die Probe aufs Exempel im Hinblick auf einen Sattel, der für lange Distanzen entwickelt wurde: Novus SuperFlow Endurance von Selle Italia, der auch der offizielle Sattel des anspruchsvollen Rennens Race Across America ist.
Die leicht verlängerte Wölbung erleichtert die Verlagerung des Beckens nach vorne und unterstützt daher eine bequemere Haltung der Wirbelsäule.

Theoretisch perfekt für die „Oldies“ wie uns, bei denen sich langsam, aber sicher Rückenprobleme bemerkbar machen. Die lange zentrale Aussparung, die einen Großteil der Sitzfläche in zwei Hälften teilt, reduziert zudem den Druck auf den Beckenbodenbereich, sodass die klassischen Kompressionsprobleme im Vorfeld aus dem Weg geräumt werden.

 

 

Altimetria percorso 130 Km

Das Rennen

Wir waren also am Morgen des Rennens angelangt. Ich breche um 5.00 Uhr mit meinem Freund Andrea auf. Es regnet große, lauwarme Tropfen, die nach Meer schmecken. Zum Glück sind dies die Letzten eines perfekten Fahrradtages: stets bedeckter Himmel bei einer konstanten Temperatur von 19 °C.
Nach Einnahme der Startposition, nun schon das erste Ereignis des Tages: Eine Bahnschranke wird heruntergefahren, da ein Zug passieren muss, wodurch die Masse der Teilnehmer in zwei Hälften geteilt wird. Nicht so schlimm. Die Starken sind eh vorne.

Nach einigem Unmutsgemurmel kann das Rennen nun endlich losgehen. Also nicht wirklich ein Rennen, denn für uns ist es eigentlich ein Bummel. Wir wollen das Event genießen, Fotopausen einlegen, uns an den Verpflegungsstellen verköstigen – und so weiter. Das hilft dem Rennergebnis zwar nicht, aber wen kümmert es?

Nur das Dabeisein zählt. Der einzige Moment, an dem sportliche „Spannung“ herrscht, kommt kurz nach dem Start auf – dann, wenn sich das Adrenalin bemerkbar macht. Alle starten auf Hochtouren und für 30 km beläuft sich die Geschwindigkeit auf 40 km/h. In unserer Gruppe entsteht ein Loch. Ich bleibe zurück und mache einen Fehler, der eines Anfängers würdig ist, denn ich möchte alleine aufholen. Natürlich ist das alles für die Katz. Ich treffe erst an der ersten Verpflegungsstelle wieder auf Andreas.

Für den Rest alles paletti. Optimales Tempo, im Großen und Ganzen touristisch ausgelegt.

Auch die Steigungen, die nie höher als 7–8 km sind, lassen sich recht gut bewältigen. Die einzige wirklich anspruchsvolle Strecke ist der Endteil des legendären Barbotto, der vierte Hügel mit einer 18 %-Steigung.

Der Sattel Novus SuperFlow Endurance erweist sich auf der ganzen Strecke als äußerst wirksam. Man merkt gar nicht, dass man darauf sitzt. Null Druck, null Schmerzen. Der Sattel stellt großen Komfort bereit – auch dank der Länge der Aussparung, die die gesamte Struktur flexibler gestaltet und die Körperbewegungen beim Fahren besser unterstützt.

Es geht uns so gut, dass wir uns im Endteil, d. h. der Verzweigung auf km 100, für einen Augenblick überlegen, ob wir nicht trotzdem die lange Strecke wählen sollen. Die Vernunft siegt, wir fahren auf der kurzen Strecke weiter. Noch nie war eine Entscheidung so weise, denn auf den letzten 30 Kilometern kommt ein nicht zu verachtender Gegenwind auf. Es kommt uns bei jeder Überführung vor, als ob wir am Stilfserjoch wären.

Für heute ist dies alles aber mehr als in Ordnung. Die Pasta-Party wartet.

Abschließende Anmerkungen: Stets perfekte Organisation. Erstklassige Verkehrsleitung. Vorzügliche Verpflegung an den richtigen Stellen. Glanzgeglätteter Asphalt. Mehr kann man sich doch gar nicht wünschen, oder?

 

130 km im Detail

Wir starten am Hafenkanal (Porto Canale) von Cesenatico und legen die ersten 28 km mit einer sehr hohen Durchschnittsgeschwindigkeit zurück. Danach weist die Strecke mehrere Kurven auf, sodass sich das Tempo verlangsamt. Im Folgenden die 4 Steigungen der 130 km-Runde.

km 37: Polenta
Die erste Steigung des Nove Colli sieht eine 8-km-Steigung, 227 Meter Höhenunterschied und ein durchschnittliches Gefälle von 3 %, maximal 13 %, vor.

km 65: Pieve di Rivoschio
Die anspruchslose 8-km-Steigung beginnt in Piandispino: 307 Meter Höhenunterschied, durchschnittliches Gefälle von 4,7 %, maximal 9 %.

km 80: Ciola
Dritte Herausforderung: der Ciola – 6 km, 313 Meter Höhenunterschied, durchschnittliches Gefälle von 5,5 %, maximal 11 %.

km 91: Barbotto
Der letzte und schwierigste Hügel. Der legendäre Barbotto. In nur 5,5 km sind 372 Meter Steigung zu bewältigen. Durchschnittliches Gefälle 6,9 %. Der letzte Kilometer hat eine Steigung von ganzen 18 %. Von hier aus kann das 40 km entfernte Ziel dann problemlos erreicht werden.

 

3 Tipps

Zu guter Letzt drei goldene Regeln für die Teilnahme an einem anspruchsvollen Granfondo wie diesem:

Tempo. Lassen Sie nie zu, dass die Euphorie Überhand gewinnt. Wenn Sie sich nicht überanstrengen, erreichen Sie das Ziel ohne Qualen. Der Trick: Finden Sie eine kleine Gruppe, die in Ihrem Tempo fährt und bleiben Sie bei ihr.

Ernährung. Essen und trinken Sie regelmäßig, denn Sie verbrauchen viel Energie. Wenn Sie nicht darauf achten, kann der Körper urplötzlich und ohne Vorwarnung aufgeben.

Sicherheit. Achtung! Immer volle Konzentration! Beim Ellenbogen-zu-Ellenbogen-Fahren kann es leicht zu einem Zusammenstoß kommen. Ein Sturz mit einer Geschwindigkeit von 40 km/h ist nicht gerade angenehm! Es ist vor allem bei Abfahrten eine gute Regel, nichts zu riskieren und einen angemessenen Abstand zum Vorfahrer einzuhalten.

 

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